Orte der Stille

 

Besonders wertvoll für die Artenvielfalt im städtischen Raum sind Friedhöfe; hier gibt es oft noch alten Baumbestand und schützende Hecken, so dass hier viele Tiere sichere Rückzugsmöglichkeiten finden.

 

Natur in der Stadt

 

Gehölze bieten einen grünen Rahmen, der zu der ruhigen Atmosphäre der Friedhöfe beiträgt. Sie machen den Friedhof auch in einer Großstadt zu einem Ort zum Innehalten und vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit. Außerdem erzeugen sie Abstand zu der oft hektischen und lauten Welt außerhalb der Friedhofsmauern, die in Städten von Straßenlärm und grauem Beton geprägt ist. Der grüne Rahmen macht den Friedhof zu einem würdevollen und stillen Ort, an dem die Lebenden stumme Zwiesprache mit ihren verstorbenen Angehörigen halten können. Das Grab als letzter Garten bietet der Trauer einen Ort und Ankerpunkt.

 

Symbolpflanzen

 

Viele der Pflanzen auf den Gräbern haben eine symbolische Bedeutung: So steht die Christrose (Helleborus niger) für die Hoffnung, denn ihre weißen Blüten erscheinen schon mitten im Winter und trotzen der Kälte. Die hellen Blüten bilden einen schönen Kontrast zu den dunkelgrünen, handförmigen Blättern.

 

Im Frühling blüht das Tränende Herz (Dicentra spectabilis). Die rosafarbenen herzförmigen Blüten an langen, elegant überhängenden Trieben sind ein schönes Sinnbild für das trauernde Gedenken.

 

Der immergrüne Hauswurz (Sempervivum) symbolisiert das ewige Leben. Diese Bedeutung findet sich auch in seinem botanischen Namen, denn semper vivum stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt immer lebend. Wegen ihrer wasserspeichernden dicken Blätter sind diese Pflanzen sehr trockenheitsverträglich. Sie bilden markante Rosetten in roten, blaugrauen, braunen oder grünen Nuancen.

 

Viele immergrüne Gehölze symbolisieren Unsterblichkeit, denn sie trotzen auch harten Bedingungen und tragen ihr grünes Blätter- beziehungsweise Nadelkleid auch im Winter. Die Stechpalme (Ilex), von der manche Arten im Herbst und Winter schöne rote Beeren tragen, ist mit ihrem Fruchtschmuck in der kalten Jahreszeit - genauso wie die Christrose - ein Zeichen der Hoffnung.

 

Das Immergrün (Vinca) und der Efeu stehen für tiefe Verbundenheit, der Buchsbaum ist ein Symbol für Ausdauer und Standhaftigkeit, der Lebensbaum (Thuja) gilt als Zeichen für Treue und die Eibe (Taxus) bietet Schutz vor bösen Mächten.

Der letzte Garten

 

Nicht immer geht es bei der Grabgestaltung um die traditionelle Symbolik der Pflanzen. Manchmal steht der Wunsch im Vordergrund, das Grab individuell zu gestalten, so dass es zu einem letzten Garten wird, der das Andenken an den Verstorbenen auf persönliche Weise bewahrt. Dann können auch die Lieblingspflanzen eine Rolle bei der Gestaltung spielen oder der Wunsch, dass die Grabstelle zu jeder Jahreszeit schön und abwechslungsreich bepflanzt ist.

 

Im Herbst und Winter bringen zum Beispiel Heidepflanzen Farbe auf das Grab. Die Besenheide (Calluna vulgaris in Sorten) hat im Herbst viele kleine weiße, rosafarbene, rote oder violette Blüten. Bei den sogenannten Knospenblühern öffnen sich die farbintensiven Blütenknospen nicht. Sie können deshalb bis in den Winter hinein Farbe zeigen. Die frühen Sorten der Winterheide (Erica carnea) blühen schon ab November oder Dezember. Die Blütezeit endet ungefähr im April. So lässt sich das Grab mit verschiedenen Heidearten über einen langen Zeitraum schmücken.Weil die Winterheide immergrün ist und niedrig bleibt, kann sie das ganze Jahr über wie ein niedriger grüner Teppich den Boden bedecken